Die Hamburger Perspektiventage 2008
17./18. Mai 2008
HWP (Uni-Campus)



Aktuelles:

1.7.: Es gibt mittlerweile einen Auswertungstext. Siehe unten.

27.5.: Wir treffen uns zur Auswertung am Freitag den 30.5. um 19h im Fritz Bauch.

18.5.: Die Perspektiventage haben stattgefunden! Vielen Dank an alle Beteiligten. Eine ausführliche Berichterstattung folgt...

14.5.: Am Samstag gibt es den ganzen Tag über Frühstück. Dieses funktioniert nach dem "bring it yourself"-Prinzip: Bringt also bitte Frühstückszutaten mit wenn ihr mögt.

7.5.: Der Ablauf wurde modifiziert. Schaut hier.

4.5.: Es wird auf den Perspektiventagen eine Kinderbetreuung geben.


Am 17. - 18.Mai fanden die ersten hamburger regionalen Perspektiventage statt...

Auch wenn, oder vielleicht auch weil, sich die Beteiligung an den Perspektiventagen entgegen unseren Erwartungen und der Einschätzung des Bedarfs einer solchen Plattform gering gehalten hat, waren die Tage für die Anwesenden ein Erfolg. Etwa 50 Leute, eine spektrenübergreifende Mischung aus 15 Gruppen und einigen Einzelpersonen, diskutierten zwei Tage über private und gesellschaftspolitische Perspektiven und Vernetzung in Hamburg und Umgebung. Zu den einzelnen Ergebnissen der Workshops findet ihr hoffentlich demnächst auf unserer Homepage eine Dokumentation.

Da von vielen (nicht anwesenden) die Kritik geäußert wurde, der Aufruf zu den Perspektiventagen sei zu unklar formuliert gewesen, wollen wir mit diesem Text auch nochmal versuchen unser Konzept zu verdeutlichen und erklären, welche Stärken wir in dieser thematischen Offenheit sehen, warum wir uns also bewusst für diese „schwammige Ausdrucksform“ entschieden haben.

Aber erstmal erzählen wir ein bisschen was denn nun passiert ist an den zwei Tagen: Im Eröffungsplenum stellten sich alle Gruppen anhand von den Fragen: „Wer seid ihr? Was macht ihr? Was braucht ihr?“ vor, so dass alle einen Überblick über die Arbeit der Gruppen bekamen und wo denn der Schuh drückt. Dabei wurde ein erster wichtiger Schritt zur Vernetzung getan, Gruppen bekamen Gesichter und wurden damit ansprechbar. Nach dem Mittagessen fanden Workshops zum Thema: "BESTANDSAUFNAHME-RÜCKBLICKE-UTOPIEN" statt. Workshops waren: Das Mietshäusersyndikat stellt sich vor, Antisexismus praktisch, linke Politik an der Uni, Potentiale vernetzen – anders leben, Fiese Situationen meistern, Jour fix, Gewerkschaftslinke stellt sich vor, sowie der Workshop Umweltschutz im Kommunismus, in dem die Frage nach eigenen Konsumbedürfnissen und nachhaltigen Wirtschaften aufgegriffen wurde. Abends wurde der Dokumentarfilm „Strike Bike - Eine Belegschaft wird rebellisch“ zur Besetzung und Produktion der Strikebikes gezeigt, an den sich eine lange Diskussion über praktische Solidarität und Vernetzung anschloss. Sonntagvormittag begann der zweite Workshopblock zum Thema "KONKRETE PROJEKTE". Dort fanden Workshops von Cafe Libertad, vom Arbeitskreis lokale Ökonomie Hamburg (bekannt u.a. durch den Umsonstladen, die freie Uni Hamburg und das Kleinmöbellager) zum Thema „Gibt es ein Leben neben der Erwerbsarbeit und zum Klimacamp statt. Die Workshops von Cafe Libertad und dem Arbeitskreis lokale Ökonomie schlossen sich spontan zusammen, da beide (auf unterschiedliche Art und Weise) an einer alternativen Gestaltung des Lebens und des Alltags basteln. Hier war Platz für viel Erfahrungsaustausch, persönliche Bedenken und das Feststellen, dass mensch mit seinen/ ihren „Sorgen“ und „Bedenken“ nicht alleine ist, sondern, dass gerade das die Mechanismen sind, die uns so stören und die es (gemeinschaftlich!/ zusammen!) zu bekämpfen gilt. Wie sich gezeigt hat standen die zwei Tage für die meisten v.a. zwei Fragestellungen im Vordergrund. Zum einen, wie wir es schaffen können unsere eigenen moralisch/ideologischen Vorstellungen vom Leben auch konkret in unseren Alltag einzubauen und nicht an der allüberschattenden Logik des Kapitalismus zu kapitulieren. Zum anderen lag vielen eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit (z.B. Kampagnen) der verschiedenen linken und linksradikalen Gruppen und Strömungen am Herzen, da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass viele Dinge besser funktionieren, wenn man sich zusammenschließt. Entstanden ist auch die Idee eines „Alternative Branchenbuch“. Zu diesem Arbeitstitel ist eine Gruppe entstanden, die dazu arbeitet, in digitaler Form möglichst alle Projekte zusammenfinden, die auf solidarischer Basis alle möglichen Sachen „anzubieten“ haben. Im Abschlussplenum diskutierten alle über Sinn/ Unsinn und Erfolg/ Nichterfolg der Tage. Hier wurde besonders deutlich, dass die zahlenmäßig geringe Teilnahme dazu beitrug, dass die ersten Perspektiventage in Hamburg sehr persönlich und sehr offen verliefen. Das war insofern positiv, als dass alle Menschen, die ihr Wochenende dort verbrachten, sehr gestärkt und motiviert raus gingen und alle Lust haben, Tage wie diese zu wiederholen. In einem Satz: es war ein guter Start für eine Sache, die häufiger und in einem größeren Rahmen stattfinden soll!

Warum das unscharfe Thema Perspektiven reicht:
Zunächst einmal ist das Thema gar nicht so unscharf, da sich jede_r, der/ die politisch arbeitet unserer Meinung nach auch die Frage stellen sollte, welche Ziele er/ sie damit verfolgt. Dies umfasst logischerweise sowohl die nächsten Kampagnen, als auch die Perspektiven, die in einer weiteren zeitlichen Entfernung liegen, als die nächsten Monate. In Diskussionen zum Thema Perspektiven zeigten sich verschiedene Ansätze:
- die Erschaffung einer „Parallelwelt“: eine Welt, in der wir uns Stück für Stück unabhängig vom kapitalistischen System machen, mit Leuten zusammen, die da auch keinen Bock mehr drauf haben. Hier steht der Gedanke im Vordergrund, dass sich Dinge über das aktive Vorleben verändern können. Diese Veränderung setzt am Alltag an und baut darauf, dass sich nach und nach mehr Menschen anschließen werden.
- Intervention in die Realpolitik: dieser Ansatz zielt darauf ab, Menschen zu unterstützen, die ganz akut und sofort Hilfe jedweder Art und Öffentlichkeit brauchen. Da diese Arbeit nicht selten unter einem gewissen (Zeit-) Druck steht, fehlt häufig der Raum für einen systemverändernden Ansatz. Nicht selten bleiben diese Aufgaben an einigen wenigen Menschen hängen, die auch häufig wegen der Gefahr von „Systemerhaltung“ von anderen linken Personen für ihre Arbeit kritisiert werden. Auch wenn eine klare Ausformulierung vieler Gruppen fehlt, zielt auch diese Arbeit klar auf einen gesamtgesellschaftlichen Wandel ab.
- Only solution- revolution! Die Abschaffung des Kapitalismus und des existierenden demokratischen Systems stehen an vorderster Stelle. Es wird alles abgelehnt, was in irgend einer Form als systemerhaltend gilt oder was nicht in erster Linie auf die endgültige Abschaffung des selben zielt. Dabei ist aussenstehenden Gruppen und Einzelpersonen oft nicht klar, wie das geschehen soll.

Mit dieser ziemlich verkürzten Darstellung der verschiedenen Ansätze (die auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, niemanden in irgend einer Weise diskreditieren soll auch nicht allzu analytisch ernst genommen werden sollte!) wollen wir ausdrücken, dass jegliche politische Arbeit auf eine grundlegende Veränderung aus ist, dass es nicht den richtigen Weg, sondern nur den persönlich richtigen Weg zu einem nicht näher definierten Ziel gibt. Unserer Meinung nach ist es „egal“ wer dafür auf die Straße, an die Fabriktore oder in die Kommune muss, wichtig ist eine Kommunikation und eine gemeinsame Verständigung. Dabei ist es für uns unverständlich, warum wir eben nicht miteinander reden sollten, weil wir ja auch nach der Revolution miteinander leben wollen/ müssen. Genau aus dieser Verständigung entsteht ein gemeinsames Konzept/ näher definiertes Ziel/ eine Perspektive (!), wie es denn so aussehen soll und wie wir uns ein Leben „in der neuen Welt“ vorstellen. Mit unserem Aufruf wollten wir genau darauf hinaus, dass sich verschiedene Gruppen darüber unterhalten. Wir finden es schade, dass viele Hamburger_innen glauben, die Revolution geschieht im „Klüngel“ und danach wird es auch nur den „Klüngel“ geben, mit dem man sich auseinander zu setzen hat. Wir denken, dass sich ein globales solidarisches Miteinander auf der Welt nur vernetzt verwirklichen lässt. Gerade weil es viele verschiedene Ansätze zu einer Veränderung gibt, haben wir uns gegen eine thematische Vorbestimmung entschieden. Zum einen, weil wir niemanden explizit ausschließen wollten und zum anderen weil wir verhindern wollten, dass sich Menschen in den Themen nicht wiederfinden. Durch einen OPEN SPACE (da eine ausführliche Erklärung diesen Artikel noch länger machen würde, hier ein Wikipedia- Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Space) hat jede_r die Möglichkeit die Themen einzubringen, die ihr/ihm/der Gruppe gerade wichtig sind, sodass die Gefahr, dass Themen zu kurz kommen oder unter den Tisch fallen, möglichst gegen null tendiert.

Ein anderer Kritikpunkt war die Unterstützer_innenliste auf unserer Homepage. Wir haben uns bewusst und nach langen Diskussionen im Vorbereitungskreis (denn auch der war alles andere als homogen!) gegen Unterzeichner_innen des Aufrufs entschieden. Dabei war die entstandene Unterstützer_innenliste auf der Homepage ein Kompromiss des Vorbereitungskreises, welche vielleicht auch dazu beigetragen hat, dass sich Personen nicht mit den Perspektiventagen auseinander setzen wollten. Wir waren in diesem Punkt recht gespalten: zum einen bestand die Befürchtung, dass eine vollständige Anonymität viele Gruppen abschreckt, zum anderen, dass eine Unterstützer_innenliste Gruppen abschreckt, da sich nur wenige Gruppen auf so eine Liste setzen. Die Nachbereitung hat die Tendenz gezeigt, dass wir darauf in Zukunft darauf verzichten, da wir auch den Punkt sehen, dass es um die einzelnen Menschen geht und nicht um die Gruppen, die miteinander reden sollen und dass sich damit auch eine Unterstützer_innenliste erübrigt. Weitere Diskussionen zu diesem Thema werden in der nächsten Vorbereitungsphase folgen.. .

Wir haben folgendes aus den Perspektiventagen mitgenommen: wir werden zu den nächsten Perspektiventagen im Februar 2009 besser informieren, dieser Artikel stellt damit den Anfang dar. Außerdem wollen wir zu den nächsten Tagen zeitlich früher mehr Veranstaltungen zu verschiedensten Themen im Programm haben, das funktioniert aber nur, wenn ihr alle euch mit euren Themen einbringt! Des weiteren hoffen wir, das nächste mal auch mehr Einzelpersonen zur Teilnahme motivieren zu können. Schaut für konkrete Infos so ab Mitte August auf die alt bekannte Homepage: www.hamburg.perspektiventage.de und beteiligt euch an der Vorbereitung! Wenn ihr richtig Lust auf Perspektiven und Utopien bekommen habt, schaut mal in Bremen vorbei. Dort soll im Herbst 2008 etwas ähnliches stattfinden. Wenn ihr mehr Infos dazu habt, ergänzt diese doch bitte dort wo es geht. Danke!

Der Vorbereitungskreis der Hamburger Perspektiventage!


Einladung zu linken&linksradikalen,
spektrenübergreifenden Perspektiventagen in und für Hamburg

Wofür engagieren wir uns? Wo wollen wir hin? Was fordern wir und von wem?

Warum Perspektiventage?
Vor ein paar Monaten fanden in Berlin bereits Perspektiventage statt. Dabei wurde deutlich, dass ein großes Interesse an neuen Perspektiven der Zusammenarbeit besteht und es auch viele Ideen gibt. Diese scheitern aber häufig daran, dass das Netz, welches auf bundesweiten Treffen entsteht, zu grobmaschig ist. Meist ist so „nur“ eine punktuelle Zusammenarbeit möglich, die kampagnenbezogen und zeitlich beschränkt ist. Das ist schade, denn bei der Frage nach der persönlichen Motivation zur „politischen“ Arbeit steht doch immer der Gedanke eines tatsächlichen gesellschaftlichen Wandels im Vordergrund. Diese Motivation braucht Perspektiven. Aus diesem Grund laden wir euch ein, über die eigene Gruppe hinaus und gemeinsam über tatsächliche Alltagspraktiken und Vernetzungen zu diskutieren und zu utopieren. Ziel ist eine Zusammenarbeit, die z.B. damit anfängt, kostenlos zu kopieren oder sich gegenseitig zu unterstützen, sich aber auf eine Organisierung im Alltag und tatsächliche gesellschaftliche Interventionsfähigkeit ausdehnen soll.

Für eine Welt in die viele Welten passen
Die Perspektiventage richten sich an alle linken & linksradikalen Spektren. Dabei ist klar, dass ein Konsens auf allen Ebenen manchmal nicht in Frage kommt, häufig jedoch auch nicht notwendig ist. Die Perspektiventage dienen NICHT dazu, ein gemeinsames Selbstverständnis zu finden; vielmehr wollen wir einen offenen Raum anbieten, in dem ein -gerne auch kontroverser- Austausch von Gedanken und praktizierter Lebens- und Politikerfahrung betrieben wird. Es geht also nicht um EINE Meinung oder um DIE gemeinsame Klammer, sondern um eine tragfähige Zusammenarbeit, die ein anderes Leben ermöglicht. Und das jeden Tag.

Zum Charakter der Perspektiventage
Die Perspektiventage verstehen sich als ein offener Raum für Ideen der Zusammenarbeit aber auch zur Entwicklung von konkreten Lebensperspektiven und Utopien. Wichtig ist dabei, dass die Perspektiventage nicht als Plattform der Werbung für die eigene Gruppe oder Ideologie instrumentalisiert werden. Das Programm soll von allen Teilnehmenden gefüllt und gestaltet werden. Dies geschieht einerseits in organisierten Workshops, andererseits im Open Space, wo jede/r zu Diskussionen aufrufen kann, die ihr/ihm gerade unter den Nägeln brennen. Ein gemeinsames Plenum hält alle auf den Stand. Wir erwarten auch bei kontroversen Diskussionen und Meinungen ein solidarisches Miteinander und einen respektvollen Umgang.

... und danach
Langfristig geht es darum, die Nischenpolitik zu durchbrechen und einen Ausweg aus der ständigen politischen Defensive zu finden, sowie antikapitalistische Alternativen zu entwickeln, um die Kluft zwischen gelebtem und geträumtem Alltag zu verkleinern.

Der Vorbereitungskreis